"Motek, Liebchen, wo bist du. Ich liebe Dich! Du sollst mit mir sitzen hier. Wo bist du?" Ruth ruft mich an, recht verstimmt und ich ahne nichts Gutes. Ich erkläre ihr, dass ich mehrfach versucht habe sie zu erreichen. Ich bin schon wieder krank, diesmal ist es eine Mandelentzündung. Sie versteht nicht ganz was ich habe, aber dass ich krank bin schon. "Sollst du mit mir sitzen. Komm Liebchen, komm. Hier ist es warm." Ich versuche ihr zu erklären, dass der Weg zu weit und ich zu krank bin. Sie ist fast eingeschnappt, sie meint es doch so gut! Noch ein Versuch, nachdem ich ihr versichert habe, dass ich nächste Woche ganz bestimmt wieder gesund sein werde. Es gäbe auch warmen Tee, sagt sie. Vielleicht ist es meine klägliche Stimme und die Worte, die ich nur heraus würgen kann, die sie dann doch überzeugen, dass ich an diesem Dienstag wirklich nicht kommen kann.
Am nächsten Morgen, wieder ein Anruf. "Liebchen, Motek, wie geht es dir? Ich liebe Dich so!" "Noch nicht viel besser", muss ich ihr gestehen und sie seufzt. "Sollst du sitzen mit mir. Ich habe gearbeitet gestern b'Hadassa. Komm zu mir Liebchen. Hier ist es warm." Ich frage sie, wie es ihr geht und ob es gut war, in Hadassa. " Ja, sehr gut. Danke schön", kommt promt die Antwort, "hab ich geendigt, und nun muss ich sitzen. Von oben b'zohoraim, b'Hadassa, hab ich gearbeitigt". Der Versuch sie abzulenken scheitert, von ihr ein weiterer Versuch mich zu überzeugen, zu ihr zu kommen. Ich versichere ihr, dass es hier warm ist und ich in einem kuscheligen Bett liege und, dass ich nichts tun brauche weil sich Menschen um mich kümmern. Das beruhigt sie ein bisschen. "Sollst du wirklich nicht machen! Wirklich nicht", sagt sie."Ich liebe dich, Liebchen. Wirklich! Ich liebe dich! Bye" "Bye Ruth", sage ich "Ich liebe Dich auch!"
Diese kleine Person, die Käse mit dem Zeigefinger aus der Packung löffelt und genüsslich, die Augen verdrehend daran schleckt und schmatzt, die sich Essensreste ungeniert aus den Zähnen puhlt und im Restaurant Messer und Gabel gekonnt ignoriert, ich liebe sie! Unsere ersten Versuche zu kommunizieren, über Sin Sin ( Taiwan) und Nudeln, ob ich Dinge wüsste und dieses Kindchen, dass sie wirklich liebt - sie meinte meine Vorgängerin Emily - waren wirklich schwierig. Plötzlich Streit, und sie vergleicht mich mit Hitler. Das ist zu viel für mich, sie ist doch noch bei Verstand! Das ich gehen will, bringt wiederum sie aus der Fassung. Ich setzte mich mit ihrer Vormünderin in Verbindung, sie beklagt sich bei Amcha.
Es hat uns irgendwie zusammen geschweißt. Die Treffen werden besser, ich lerne immer mehr, ihre Art zu kommunizieren zu verstehen - und ich glaube sie gibt sich wirklich ganz große Mühe! Dann führt sie mich zum Essen aus, spricht an was passiert ist. Ich wäre nicht so freundlich zu ihr gewesen - aber sie ganz sicher auch nicht zu mir. "Aber Liebchen", sagt sie und drückt meine Hand "jetzt liebe ich dich wirklich!"
Es hat uns irgendwie zusammen geschweißt. Die Treffen werden besser, ich lerne immer mehr, ihre Art zu kommunizieren zu verstehen - und ich glaube sie gibt sich wirklich ganz große Mühe! Dann führt sie mich zum Essen aus, spricht an was passiert ist. Ich wäre nicht so freundlich zu ihr gewesen - aber sie ganz sicher auch nicht zu mir. "Aber Liebchen", sagt sie und drückt meine Hand "jetzt liebe ich dich wirklich!"
Donnerstag Morgen. Ich rufe sie an - und sie fragt etwas auf Hebräisch. Dann auf Deutsch, wie es mir geht. Ich antworte ehrlich " Kacha, Kacha" - so lala! Sie hofft, dass es mir bald besser geht. Mein Anruf, nicht nur gedacht um sie zu berughigen - auch um zu fragen, was sie am Freitag früh vor hat. Über die Zukunft sprechen ist mit ihrem Wortschatz so schwierig, sie verzettelt sich, weiß es auch nicht so genau. Aber sie versteht, dass ich sie besuchen kommen will. Der Deal - ich rufe einfach noch einmal an. Morgen wird sie wissen, ob sie Zeit hat.
Und ich - ich gehe an meinem freien Tag Ruth besuchen, schaue kurz bei Eva vorbei die dann schon ihre Wochenendzeitung besorgt hat und bei Chava, für einen kurzen Schnack über die Enkel und Urenkel und wie es mir so geht.
Sie alle gelten als Überlebende - das ist mir irgendwie zu wenig. Lebenskünstlerinnen sind sie, jede mit einer herzzerreißenden Geschichte, jede mit ihrer eigenen Strategie für ein zufriedenes Leben.
Sie haben mir so einiges beigebracht, die Damen! Mich wirklich auf einen Menschen einzulassen, auf jemanden den man nicht kennt, dessen Strategien zu kommunizieren ich zunächst einmal entdecken, erkennen muss. Offen und flexibel zu sein für neue Konzepte von Liebe und Zuneigung, von Verständnis und für Bedürfnisse. Wir haben noch 7 Monate, auf die ich mich wahnsinnig freue. Gedanken an Abschied sind albern, wir sind im Hier und Jetzt, genießen und erfreuen uns daran. Und doch graut es mir in manch einer Sekunde schon jetzt vor dem Abschied.
Sie alle gelten als Überlebende - das ist mir irgendwie zu wenig. Lebenskünstlerinnen sind sie, jede mit einer herzzerreißenden Geschichte, jede mit ihrer eigenen Strategie für ein zufriedenes Leben.
Sie haben mir so einiges beigebracht, die Damen! Mich wirklich auf einen Menschen einzulassen, auf jemanden den man nicht kennt, dessen Strategien zu kommunizieren ich zunächst einmal entdecken, erkennen muss. Offen und flexibel zu sein für neue Konzepte von Liebe und Zuneigung, von Verständnis und für Bedürfnisse. Wir haben noch 7 Monate, auf die ich mich wahnsinnig freue. Gedanken an Abschied sind albern, wir sind im Hier und Jetzt, genießen und erfreuen uns daran. Und doch graut es mir in manch einer Sekunde schon jetzt vor dem Abschied.
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