Montag, 7. November 2016

Wenn die Füchse rauchen

Es wird Herbst, hier in Jerusalem. Bunte Blätter wenn ich beim Kochen durch das vergitterte Küchenfenster schaue, Kinder die im Garten der Talmud Schule spielen. Es ist friedlich, unaufgeregt, erholsam. Die Sonne wärmt mich tagsüber, nachts wird es kalt und feucht. Nebelschwaden schweben durch die Täler, über die Berge. Kleine Wölkchen vor meinem Gesicht beim Atmen, blasse Farben und die Dämmerung kommt früh. Das Wetter, wenn die Füchse rauchen. Erinnerungen an Winter. Tiefe, melodische Musik aus Schweden, Kerzenlicht. Wald gibt es hier nicht, statt den Füchsen raucht der Schakal. Ich erschaffe mir meinen Winter.

Gleichtöniges Treiben in Yad Vashem, weniger Touristen. Ruth, meine alte Dame, immer leicht verwirrt, immer energisch, immer am lächeln. Immer Mittwochs. "Weisst du das?!" sagt sie. Eva sehe ich gleich danach, was für ein Unterschied und ein Hauch von Luxus. Schokolade gönne ich mir sonst nicht. Und über Geduld habe ich schon jetzt einiges gelernt.

Kreise schliessen sich, wenn ich durch die Strassen laufe, sich Stadtteile auf meiner eigenen kleinen Karte zusammen fügen. Jeden Tag lerne ich etwas über das Leben hier.  Die kleinen Dinge, nach denen man nie fragen würde, die so selbstverstaendlich scheinen und dabei so unterschiedlich sind. Glücksgefühle. Ausblick auf eine Wüstentour. Anna kommt bald und mein Herz tanzt! Purzelbäume. Hochgefühl. Absturz. Mit einem Freund spreche ich über seine Zeit in Gaza. So fremde Wirklichkeiten, so neue Welten, so viel Leid. Auch für ihn. I'm a good solider. But I hate it. Als er mir sagt, wann sein Wehrdienst begann erschrecke ich. Wir sind fast gleich alt und während ich auf der warmen Strasse im Sonnenschein liegend von Griechenland träumte, Flugzeugen hinterher blickte, mich vor Hausaufgaben drückte und Himbeeren naschte, bereitete er sich auf seinen Militärdienst vor. Drei Jahre, Kriegseinsatz. Danach Dreads, Reisen, auflehnen - alles, nur nicht kahl geschoren. Worte habe ich keine, die ich erwiedern könnte. Themenwechsel. Israelische Snacks, Absolute Beginner, ein Bier, Monty Python.

    

Sonntag, 23. Oktober 2016

Feierlich

Yom Kipur beginnt friedlich. Ein Balkon in Tel Aviv, die Sonne kitzelt meine Füße. Neben mir ein duftender Kaffee, meine Vokabeln auf dem Schoß und Hushhash, der Hund von Freunden, neben mir auf dem Boden. Hausdächer und Hochhäuser,  rauschende Klimaanlagen und Fahrradklingeln - heute steht alles still. Keine Autos dafür Fahrräder überall.  Im Hinterhof spielen Kinder, es wird Deutsch gesprochen. Gesang schwebt aus der Synagoge zu mir hoch, berührt mich und holt mich aus meinen Gedanken. Ungläubig bin ich, fasziniert, wie intensiv Religion hier gelebt wird, wie stark verankert sie in den Leben der Menschen ist. Viele fasten seit dem Vorabend, insgesamt 25 Stunden lang. Seit den Beginn des neuen Jahres an Rosh HaShana vor genau zehn Tagen wird über den Verbleib jedes einzelnen entschieden. Leben oder sterben, (überlebens-)wichtig ist es jetzt zu beten. Granatapfel und Honig, für ein süßes neues Jahr, auch Schokolade wird verschenkt - jetzt aber rückt die Entscheidung näher, die Gebete werden intensiver. Der wichtigste Feiertag für die Juden endet heute Abend, mit traditionellem Essen, mit weiteren Gebeten. 
Wir dagegen frühstücken Shakshuka, selbst gekoch, köstlich duftend und viel zu viel. Überfluss! Ein paar Stunden am Strand, das nie aufhörende klackern der Bälle auf Holzschlägern sogar heute, klack, klack, klacklack, Matkot forever. Im Auto bei Sonnenuntergang zurück nach Jerusalem, der Spuk ist beendet. Der neue Tag beginnt. Zum Schluss noch Schoko-Bananen-Eis.

Yom Kipur war erst vor einer Woche, ganz unwirklich. Wieder verschwimmen Tage - es vergeht kein einziger an dem nach der Arbeit nur Langeweile auf mich wartet.  Zerrissen zwischen Genuss und Überreizung. Nur ein Jahr, schnell den Moment leben, auskosten, sich treiben lassen,schnell schnell. Jazzkonzert in Tel Aviv, Kletterunterricht an der Wand mit Blasen an den Händen, traditionelles Shabbat Dinner mit köstlichstem Essen bei Freunden und Sukot - Dinner in der Laubhütte - bei Eyal den ich aus Thailand kenne. Die ultraorthodoxen Juden schlafen und beten sogar in der bunt geschmückten Sukah. Eine Woche und die Stadt ist jeden Tag voll mit fein angezogenen Menschen, Kindern und Reisegepäck.

Nur Woche später, heute Abend, beginnt der letzte Feiertag dieses Reigens. Wieder ist die Stadt gefüllt mit schwarzen Hüten und Mänteln, Kindern und Müttern, die schwer beladen auf dem Weg zu Verwandten sind. Und während sich alles um die Feiertage dreht, dreht sich mein kleines parraleles Univesum plötzlich ganz langsam. Zeit um in meinem Schaukelstuhl sitzend zu lesen, den leisen Flötenklängen eines Nachbarn zu lauschen die zu mir schweben, Freunde aus Deutschland zu treffen, auf dem Bett liegend die Stille zu genießen, Langeweile am Abend bei Kerzenschein auszukosten, beim Klettern fast zu verzweifeln und mein Zimmer einzurichten. Nach all dem balagan freue ich mich auf den kühlen November, auf Alltag und 

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Angekommen

so intensiv, so real, so echt und gleichzeitig zu echt, zu sehr. Ganz und gar in dem Moment. Ganz bei mir und außer mir. Die Straße, sandfarbene Häuserreihen, die Geschäftigkeit am Shuk vor Shabbat. Spätsommerhitze. Menschen ziehen vorbei, kleine Familien, jemand zieht eine riesige Mülltonne. Staub. Die Bäume blass in gleißendem Sonnenlicht, wie Pappaufsteller in einer Spielzeugwelt, die Straßenbahn rauscht laut. Dieser Moment so viel realer als andere und unwirklich zugleich. Ich sitze in dem Moment als hätte mich jemand in einer fremden Welt abgesetzt, Beobachter in einem Film. Unsichtbar. Konturen so scharf, die Sinne zart und wach. Verwundert, beglückt, fast verzückt. Die Musik wie ein Sog, vom Straßenrand hinaus in das Leben, sechs Jungen mit Instrumenten, wunderbare Melodien die sich umeinander winden und finden, sich entfernen. Ein Hauch Nostalgie, ein Beat und dieser Film ist echt, schwingt mit den Geräuschen der Stadt, untermalt, dirigiert, folgt, vibriert, löst mich auf, nimmt mich mit und vereint mich mit dieser Welt.

Es ist Freitag, Wochenende ist endlich mehr als nur ein Gedanke. Vom Staatsbegräbnis in die Stadt, Trampen weil kein Bus fährt. Das Damaskustor überflutet. Menschen überall, handeln um Baklawa im arabischen Viertel, abtauchen in die Wiener Caféhauswelt, Freunde treffen. Wir haben Besuch aus Haifa und Tel Aviv, wir haben das Leben. Über die Kuppeln der Altstadt ruft der Muezin ruft zum Gebet. Das süße Leben kosten. Reibung erzeugt wärme - so that's the real shit here.

Das erste Treffen mit Ruth, auch intensiv. Manchmal frage ich mich, warum mich das Vorhersehbare immer wieder überrascht. Wir können uns über Essen unterhalten und über ihre Vorliebe für diese eine bestimmte Kirche. Es dauert, bis ich das raus habe, die Geduld, die ich für Ruth aufbringen muss treibt mich fast selbst in den Wahnsinn. Und gleichzeitig hält sie mir alleine durch ihr Dasein den Spiegel vor, wenn ich denke nicht mehr weiter zu können.

Donnerstag, 29. September 2016

Feeling Good

YAY! Angekommen in der Freiheit, die Guatemala - unsere neue hood! Bis zum Har Herzel nicht weit, von dort geht's easy in die Stadt. Putzen, aufräumen, ausmisten, den Staub der vergangenen Generationen aufwirbeln und neues erschaffen, ankommen und wohlfühlen. Es dauert zwei Tage, dann sind wir zufrieden. Mein Herz schlägt höher bei dem Gedanken, dass diese neue Freiheit schon seit einer Woche meine ist.

Drei Wochen haben wir als große Gruppe verbracht, uns gefunden, umeinander gedreht, verstanden, Zwiespälte ausgehalten. Jetzt Ruhe, wenn ich meine Zimmertür schließe. Jetzt wohlfühlen, wenn ich in meinem Schaukelstuhl sitze. Jetzt der Blick auf die Stadt aus meinem kleinen Fensterchen und durch die Nische zwischen zwei Häusern. Nachts die vielen Lichter.  Durch die staubigen Straßen wandern, Treppen von einem Berg zum andern steigen, neue Menschen treffen. Wie ein Alien in manchen Nachbarschaften, nicht sicher ob ignoriert oder angestarrt. Ich schaue lieber nicht, bewahre mein Lächeln. Unfreundlich war noch niemand aber neugierig sind alle. Unser Haus wie ein kleines Kibbuz, man mag sich, hilft sich. Lion aus dem ersten Stock läd uns ein, auch sie fühlt sich manchmal komisch in Jerusalem. Die Kletterhalle, eine Oase. Ganz nah, wieder eine andere bunte Welt aus lauter Musik, Menschen, Kindern und Joe. Joe aus Thakek,Laos!!! Joe aus Israel, Wagabundenleben leben. Life is good, mein Herz tanzt, läuft über und füllt mich aus mit Glück. 

Mein Arbeitsalltag wartet. noch nicht auf mich. noch gibt es bürokratische Hürden zu überwinden. noch kann ich mich in Yad Vashem umschauen wie ein heimlicher Beobachter, zwischen den Welten. noch. Das ändert sich bald, vielleicht noch heute. Vielleicht in einer Woche. Erst Rosch Haschana, Neujahr - das ist wichtig - und unser Ausflug nach Jordanien. Dann widmen wir uns wieder den Toten, den Denunzierten, den Angeklagten. Fröhlich, die Arbeit soll ja Spaß machen. Die drei Damen, die ich in diesem Jahr treffen werde kenne ich auch erst vom Telefon. Heute mein erster Besuch im Französischen Viertel. Ich bin gespannt. Herzklopfen. Leben ist immer intensiv hier, für alle, ohne Ausnahme.

Freitag, 16. September 2016

Tage wie Stunden

Die Zeit verstreicht und ich werde immer voller mit Eindrücken, Gefühlen. Viele sind groß und bewegend, andere klein,eigentlich unbedeutend. Und ja, es sind gerade die, die so übermächtig werden. Die Zeit für mich alleine ist so limmitiert, dass ich früh aufstehe um allein sein zu können und manchmal schon Mittags genug habe vom Tag. Als Gruppe passts dafür und wir lachen. Viel.

Yad Vashem. Dieser Ort ist, so tragisch und unvorstellbar die Geschichte immer wieder ist, magisch. Esther aus Deutschland hat fünf Stunden eingeplant um uns über das Gelände zu führen. Schon in den ersten Minuten wird klar, das wir in dieser Zeit nicht mehr als eine Idee von dem bekommen können, was hier gezeigt wird. Unglaublich, das tatsächlich ich die wahnsinnige Chance habe hier ein Jahr lang arbeiten zu dürfen.
Ein Gang aus Beton, ein dunkler verspiegelter Raum. Kerzen - das Kinderdenkmal ist anrührend schön, zeitlos, zerbrechlich, unendlich. Schmerzlich. Wir alle stehen nach 5 Minuten verändert wieder auf dem Gehweg. Es folgen weitere Denkmale, die in in ihrer Gestaltung sehr deutlich zeigen, wie sich die Rezeption der Shoa mit dem verstreichen der Jahre verändert, erweitert hat. Ein Gedicht hat mich besonders berührt. Geschrieben von Dan Pagis (*1930) an die Wand eines Deportationswaggons. Vom ersten Brudermord in der Bibel zeichnet er eine Linie bis in die Gegenward des Nazi Regimes. Unvollendet. Das Unaussprechliche als Leerstelle.

here in this carload
I am eve
with abel my son
if you see my other son
cain son of man
tell him I

Nur einen Tag später der Besuch in der Synagoge. Wow, mir fehlen ein bisschen die Worte. Ein kleines bisschen Hexenwerk, ein bisschen shishi und viele Rituale habe ich erwartet. Alles, nur das nicht, war der Gottesdienst in der am Shabbat. Der Gebetsschal, den der Rabbi über Jeans und T-shirt gelegt hat, verruscht alle zwei Minuten wieder. Er spricht mal laut mal leise die Verse, klopft im Rhythmus der Lieder auf seinem Tisch. Im Liederbuch keine Noten, dafür Hebräisch, Umschrift und die englische Übersetzung. Wir singen und folgen den vielen Melodien um uns herum. Wunderschöne, warm klingende Variationen der selben Melodie schweben durch die kühle Architektur der Synagoge. Sie singen für sich und doch singen sie alle gemeinsam, streben zu einem Ziel, nähern sich dem Ende in hingebungsvoll fröhlichem und sich immer wiederholendem deilalei. Es wird geklatsch, manchmal. Sie feiern gemeinsam und doch feiern sie für sich. Die Woche vom Shabbat Ende bis zum neuen Anfang soll ich resümieren, mir mein Leben spiegeln und tief durchatmen. In der englischen Erklärung zum jüdischen Gottesdienst dieser Gemeinde heißt diese Phase 'guided meditation'. Spannende Wortwahl für einen Gottesdienst. Shabbat Shalom wünschen wir uns nach einer Stunde Gebet und Gesang. Noch einmal tief durchatmen dann bleiben wir plaudernd, gehen wieder unserer Wege, landen wieder im Alltag.

Herzflimmern

Die Tage fliegen an mir vobei, verschwimmen und werden zu matten, süßen Erinnerungen. Heute vor einer Woche sind wir aufgebrochen an diesen Ort voller Geheimnisse um sie eins ums andere zu entdecken und neue zu erschaffen. Wir lernen uns kennen, tauschen kleine Lächeln und Gesten, werden zu Freunden. Die Welt scheint still zu stehen doch unser paralleles Universum dreht sich besonders schnell, besonders intensiv.

Ulpan, Vorträge, Meinungen, Führungen. Dazwischen Gesang, Musik, köstliches selbstgezaubertes Essen, die laute Stadt voller Lichter - so verschlafen und friedlich wenn man von oben schaut. Und dann wieder hart und unbarmherzig. Jede Nacht Polizeisirenen. So wenig Platz für alle, so viele Gefühle. Hier ist alles intensiv und ich suche meinen Platz in mir und in dieser neuen Welt.    

Donnerstag, 15. September 2016

Jerusalem, du heiße Perle

Jerusalem. Du bist so wunderbar überwältigend, so wunderschön wie beim ersten Mal und genau so freundlich und herzlich, wie in meiner Erinnerung. Es ist wie träumen, nur viel besser! Der Empfang im Beit Ben Yehuda ist warm und duftet köstlich nach israelischem Essen. Essen, so viel und so gut, dass die Augen viel größer sind als unsere müden Mägen. Johannes, Länderreferent für Israel und unser Ansprechpartner, ist unglaublich nett, hilft uns auch bei Kinkerlitzchen und gibt uns endlich wieder ein bisschen Autonomie: Wir kochen für uns selbst!  
Dieses aufregende Jahr im Freiwilligendienst mit ASF, beginnt zunächst mit einer Woche Seminar in der Jugendbildungsstätte Hirschluch. Viele interessante, motivierende, gedanken-anregende und intensive Tage habe ich erlebt, aber auch ein oder zwei Momente, die mich ein Stück (zurück) zu mir selbst gebracht haben.
Nachdem wir uns im neuen zu Hause Jerusalem (ich kann es immer noch nicht glauben) ausgeschlafen, organisiert und ein bisschen chaotisch in unseren kleinen Zimmern eingerichtet haben, bekommen wir eine umfangreiche Führung durch die Altstadt von Jerusalem. Unser Guide, Arnon Bruckstein, spricht Deutsch und hat garantiert (mindestens) ein Geschichtsbuch gegessen. Er hört gar nicht mehr auf uns von politischen und historischen Traditionen, Mythen und Offenbarungen zu erzählen, die in Jerusalem stärker sind als alle Fakten. Es gibt so viel Spannendes, das ich mir vor lauer Erschöpfung gar nicht merken kann, aber es gibt so viel zu erkunden und zu entdecken in dieser Stadt voller Geschichte. Am Ende des Tages dann noch eine wunderbare Begegnung – Shlomi, bei dem ich vor einem Jahr als Couchsurfer war, schaut ganz spontan im BBY vorbei. So ein schönes Wiedersehen, so viel zu erzählen! Saxofon, Bass und Klavier in einer Jazz Bar; Bier, ein paar Shots und ausgelassen-fröhliche Stimmung machen den ersten Tag in Jerusalem einfach perfekt. 
Der Ulpan, unser Sprachkurs mit Maya aus Jerusalem, am nächsten Morgen dauert locker vier Stunden.  Ich komme wirklich gut mit – das Üben vorher hat sich wirklich gelohnt! Die Tour, die wir am Nachmittag mit Johannes machen, zeigt uns eine völlig neue Welt in Jerusalem. Die Neustadt ist fast unwirklich idyllisch und sauber, der Shuk bunt, laut und duftüberladen, die Innenstadt mit Straßenbahn. So viele Wirklichkeiten, so viele unterschiedliche Leben in dieser kleinen Stadt.
Der Tag endet beladen mit Tüten vom Shuk im falschen Bus und einem großartigem Busfahrer. Nachdem Frieda, Sophie, Hanna und ich die Einkäufe für den nächsten Tag erledigt und ein köstliches Dinner aus Hummus, Pita und Oliven verspeist haben springen wir in einen Bus der 7er-Linie. Wir sind falsch und Google maps ist nicht ganz eindeutig, ob wir uns in Jerusalem, außerhalb oder der Westbank befinden - wir sind plan- und ahnungslos. Nur ein paar Stunden vorher hat Johannes orakelt, man müsse sich in seinem Freiwilligendienst verlaufen und mit zerfledderten Kleidern zurückkehren – es stimmt schon.. manches braucht man nur laut auszusprechen und die Wünche erfüllen sich. Völlig selbstverständlich (und fast heldenhaft) werden wir von unserem Busfahrer in halsbrecherischem Tempo auf dem Rückweg seiner Tour an unserer Haltestelle abgesetzt. Toda raba!! Der Bus rast davon und dort wo eigentlich die Busnummer steht, leuchtet uns ein „HHH“ entgegen. Welch schöne Ironie.
   

Samstag, 21. Mai 2016

Um was gehts?

Hallo!

Schön, dass Sie meinen Blog besuchen. Hier werde ich von meinem Leben in Jerusalem berichten und Sie mitnehmen auf die Reise in diese anderen Welt.
Wenn Sie hier vorbei schauen, dann vermutlich weil Sie ein Brief, eine Mail oder ein Gespräch darauf aufmerksam gemacht hat. Ich freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit nehmen ein bisschen mehr zu erfahren.

Ich heiße Elisa Haugwitz, bin 29 Jahre alt und habe in Paderborn studiert. Ich bin Lehrerin für die Fächer Englisch, Religion und Deutsch. In Hamburg habe ich an einer Schule unterrichtet, die auch hochbegabte Schüler unterstützt und fördert.
Hamburg habe ich wegen des Hafens geliebt und weil ich viel mit dem Fahrrad unterwegs sein konnte. Nach vier Jahren im Norden hat sich mein Leben sehr verändert. Ich habe aufgehört zu arbeiten um mir einen großen Wunsch zu erfüllen. Ich war reisen in  Asien und habe Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha und Indonesien mit kleinem Budget bereist. Diese Reise wünschte ich mir schon sehr lange und im Februar war es endlich soweit.

Ich interessiere mich schon lange für Kultur und Reisen, für die Geschichten der Menschen und dafür neues zu entdecken. Im letzten Sommer habe ich eine Bildungsreise nach Israel unternommen und war sofort begeistert vom Land. Geschichte, Kultur und Kunst sind sehr eng miteinander verknüpft. Für ein Jahr in Israel zu arbeiten war plötzlich sehr wichtig für mich und im Gespräch mit einem Freund habe ich von der Organisation "Aktion Sühnezeichen Friedensdienste" (ASF) erfahren. Die Organisation ist perfekt für mich, da sie die Dinge, die mir persönlich wichtig sind, vereint.



Im April habe ich nach einer langen Auswahlphase endlich die Zusage bekommen! Ich arbeite in Yad Vashem, dem World Holocaust Memorial Center in Jerusalem. Außerdem gibt es eine Kooperation mit Amcha ("deine Leute", das code word der Juden nach dem 2. Weltkrieg), der größten Organisation für psychologische und soziale Unterstützung für Überlebende des Holocaust in Israel. Für diese Organsation besuche ich drei Damen die während des Krieges in Deutschland gelebt haben.

Freitag, 20. Mai 2016

Pate werden - warum eigentlich?!

Was für eine Organisation ist ASF?

Für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste bedeutet die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit die Aufforderung zum konkreten Handeln in der Gegenwart. Die Organisation setzt mit ihrer Arbeit ein Zeichen für Menschlichkeit, Verständigung und Frieden.


Wie arbeitet ASF?

ASF entsendet Freiwillige in elf Länder Europas, nach Israel und in die USA. Aktuell sind auch Freiwillige aus dem Ausland in Projekten in Hamburg und Berlin. Die Freiwilligen arbeitet in Projekten die sich gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und für Menschenrechte engagieren. Die persönlichen Kontakte zwischen Freiwilligen und Überlebenden der Shoa sind essentieller Bestandteil der Freiwilligenarbeit. Finanziert wird diese Arbeit durch Mittel der EU und Deutschland, Zuwendungen und das Patenschaftsmodell.



Warum Israel und dieses Projekt?

Israel ist ein Land voller Kontroversen und Spannungen. Trotzdem ist die Vielfalt für mich unvergleichlich bereichernd und spannend. Ich freue mich auf interessante Einblicke in die unterschiedlichen Kulturen, Aha-Momente und ein besseres Verständnis.
Das Projekt in Vad Vashem ist so eng mit den Geschehnissen des zweiten Weltkrieges und der Shoa verknüpft. So nah an den Geschichten der Menschen zu sein finde ich spannend und wichtig zugleich. Die Arbeit im Archiv trägt dazu bei, der internationalen Forschung neue Daten zur Verfügung zu stellen. So haben sich schon viele Kreise geschlossen, viele Menschen haben sich wieder gefunden, was ohne diese Datenbank nicht möglich gewesen wäre.  Im Museum selbst werden jeden Tag viele interessierte Menschen sein und jeder hat eine Geschichte, die es Wert ist gehört zu werden.
 

     
Warum ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit noch immer wichtig?

Für mich als jungen Menschen ist der Krieg sehr weit weg. Es ist schwierig sich tatsächlich einzufühlen und zu verstehen was passiert ist. Die Auseinandersetzung mit Geschichte ist immer wichtig und wir sollten versuchen etwas daraus zu lernen.
Ich selbst bin nicht betroffen doch es gibt Menschen, die noch immer unter den Folgen des Krieges leiden. Diese Bürde sollen sie nicht alleine tragen müssen.



Warum gibt es das Patenschaftsmodell und wie funktioniert es?

Das Patenschaftsmodell hat zwei wichtige Ziele:
Eine Ziel ist, allen jungen Menschen die Möglichkeit zu eröffnen ein Freiwilligenjahr zu absolvieren. Durch das Patenschaftsmodell werden die Freiwilligen nicht zu stark finanziell belastet.
Der zweite Grund ist, dass durch dieses Modell der Freiwilligendienst mit ASF bekannt wird. So bekommen viele  Menschen einen Einblick in die Arbeit der Organisation und in eine andere Welt. Außerdem bietet die wachesende Bekanntheit anderen jungen Menschen die Möglichkeit für einen Freiwilligendienst.
Jeder Freiwillige sucht mindestens 15 Paten, die pro Monat je 15 € spenden. Von ASF wird als Dankeschön die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „zeichen“ an die Paten versandt. Die Freiwilligen verschicken je zwei Rundbriefe, in denen sie von ihrer Arbeit im jeweiligen Projekt und den Erlebnisse vor Ort berichten. Zusätzlich werde ich regelmäßig in diesem Blog berichten wie es mir geht und was ich erlebe. Die Patenschaften sind essentiell für das Fortbestehen der Freiwilligenarbeit.
Sie können mit der entsprechenden Bescheinigung von jedem Paten steuerlich abgesetzt werden.    



Kosten und Kostenträger

Ein Freiwilligendienst kostet im Durchschnitt 15.000€. Darin enthalten sind Kosten für Unterbringung und Verpflegung. Außerdem die Kosten, die dem Projektträger und der Organisation im jeweiligen Land entstehen.
Ein Großteil der Kosten kann durch EU Gelder, Gelder vom Staat und durch Spenden finanziert werden. Die Patenschaften decken gemeinsam mit dem Beitrag, den jede/r Freiwillige selbst leistet 23% der entstehenden Kosten.