Freitag, 16. September 2016

Herzflimmern

Die Tage fliegen an mir vobei, verschwimmen und werden zu matten, süßen Erinnerungen. Heute vor einer Woche sind wir aufgebrochen an diesen Ort voller Geheimnisse um sie eins ums andere zu entdecken und neue zu erschaffen. Wir lernen uns kennen, tauschen kleine Lächeln und Gesten, werden zu Freunden. Die Welt scheint still zu stehen doch unser paralleles Universum dreht sich besonders schnell, besonders intensiv.

Ulpan, Vorträge, Meinungen, Führungen. Dazwischen Gesang, Musik, köstliches selbstgezaubertes Essen, die laute Stadt voller Lichter - so verschlafen und friedlich wenn man von oben schaut. Und dann wieder hart und unbarmherzig. Jede Nacht Polizeisirenen. So wenig Platz für alle, so viele Gefühle. Hier ist alles intensiv und ich suche meinen Platz in mir und in dieser neuen Welt.    

Donnerstag, 15. September 2016

Jerusalem, du heiße Perle

Jerusalem. Du bist so wunderbar überwältigend, so wunderschön wie beim ersten Mal und genau so freundlich und herzlich, wie in meiner Erinnerung. Es ist wie träumen, nur viel besser! Der Empfang im Beit Ben Yehuda ist warm und duftet köstlich nach israelischem Essen. Essen, so viel und so gut, dass die Augen viel größer sind als unsere müden Mägen. Johannes, Länderreferent für Israel und unser Ansprechpartner, ist unglaublich nett, hilft uns auch bei Kinkerlitzchen und gibt uns endlich wieder ein bisschen Autonomie: Wir kochen für uns selbst!  
Dieses aufregende Jahr im Freiwilligendienst mit ASF, beginnt zunächst mit einer Woche Seminar in der Jugendbildungsstätte Hirschluch. Viele interessante, motivierende, gedanken-anregende und intensive Tage habe ich erlebt, aber auch ein oder zwei Momente, die mich ein Stück (zurück) zu mir selbst gebracht haben.
Nachdem wir uns im neuen zu Hause Jerusalem (ich kann es immer noch nicht glauben) ausgeschlafen, organisiert und ein bisschen chaotisch in unseren kleinen Zimmern eingerichtet haben, bekommen wir eine umfangreiche Führung durch die Altstadt von Jerusalem. Unser Guide, Arnon Bruckstein, spricht Deutsch und hat garantiert (mindestens) ein Geschichtsbuch gegessen. Er hört gar nicht mehr auf uns von politischen und historischen Traditionen, Mythen und Offenbarungen zu erzählen, die in Jerusalem stärker sind als alle Fakten. Es gibt so viel Spannendes, das ich mir vor lauer Erschöpfung gar nicht merken kann, aber es gibt so viel zu erkunden und zu entdecken in dieser Stadt voller Geschichte. Am Ende des Tages dann noch eine wunderbare Begegnung – Shlomi, bei dem ich vor einem Jahr als Couchsurfer war, schaut ganz spontan im BBY vorbei. So ein schönes Wiedersehen, so viel zu erzählen! Saxofon, Bass und Klavier in einer Jazz Bar; Bier, ein paar Shots und ausgelassen-fröhliche Stimmung machen den ersten Tag in Jerusalem einfach perfekt. 
Der Ulpan, unser Sprachkurs mit Maya aus Jerusalem, am nächsten Morgen dauert locker vier Stunden.  Ich komme wirklich gut mit – das Üben vorher hat sich wirklich gelohnt! Die Tour, die wir am Nachmittag mit Johannes machen, zeigt uns eine völlig neue Welt in Jerusalem. Die Neustadt ist fast unwirklich idyllisch und sauber, der Shuk bunt, laut und duftüberladen, die Innenstadt mit Straßenbahn. So viele Wirklichkeiten, so viele unterschiedliche Leben in dieser kleinen Stadt.
Der Tag endet beladen mit Tüten vom Shuk im falschen Bus und einem großartigem Busfahrer. Nachdem Frieda, Sophie, Hanna und ich die Einkäufe für den nächsten Tag erledigt und ein köstliches Dinner aus Hummus, Pita und Oliven verspeist haben springen wir in einen Bus der 7er-Linie. Wir sind falsch und Google maps ist nicht ganz eindeutig, ob wir uns in Jerusalem, außerhalb oder der Westbank befinden - wir sind plan- und ahnungslos. Nur ein paar Stunden vorher hat Johannes orakelt, man müsse sich in seinem Freiwilligendienst verlaufen und mit zerfledderten Kleidern zurückkehren – es stimmt schon.. manches braucht man nur laut auszusprechen und die Wünche erfüllen sich. Völlig selbstverständlich (und fast heldenhaft) werden wir von unserem Busfahrer in halsbrecherischem Tempo auf dem Rückweg seiner Tour an unserer Haltestelle abgesetzt. Toda raba!! Der Bus rast davon und dort wo eigentlich die Busnummer steht, leuchtet uns ein „HHH“ entgegen. Welch schöne Ironie.
   

Samstag, 21. Mai 2016

Um was gehts?

Hallo!

Schön, dass Sie meinen Blog besuchen. Hier werde ich von meinem Leben in Jerusalem berichten und Sie mitnehmen auf die Reise in diese anderen Welt.
Wenn Sie hier vorbei schauen, dann vermutlich weil Sie ein Brief, eine Mail oder ein Gespräch darauf aufmerksam gemacht hat. Ich freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit nehmen ein bisschen mehr zu erfahren.

Ich heiße Elisa Haugwitz, bin 29 Jahre alt und habe in Paderborn studiert. Ich bin Lehrerin für die Fächer Englisch, Religion und Deutsch. In Hamburg habe ich an einer Schule unterrichtet, die auch hochbegabte Schüler unterstützt und fördert.
Hamburg habe ich wegen des Hafens geliebt und weil ich viel mit dem Fahrrad unterwegs sein konnte. Nach vier Jahren im Norden hat sich mein Leben sehr verändert. Ich habe aufgehört zu arbeiten um mir einen großen Wunsch zu erfüllen. Ich war reisen in  Asien und habe Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha und Indonesien mit kleinem Budget bereist. Diese Reise wünschte ich mir schon sehr lange und im Februar war es endlich soweit.

Ich interessiere mich schon lange für Kultur und Reisen, für die Geschichten der Menschen und dafür neues zu entdecken. Im letzten Sommer habe ich eine Bildungsreise nach Israel unternommen und war sofort begeistert vom Land. Geschichte, Kultur und Kunst sind sehr eng miteinander verknüpft. Für ein Jahr in Israel zu arbeiten war plötzlich sehr wichtig für mich und im Gespräch mit einem Freund habe ich von der Organisation "Aktion Sühnezeichen Friedensdienste" (ASF) erfahren. Die Organisation ist perfekt für mich, da sie die Dinge, die mir persönlich wichtig sind, vereint.



Im April habe ich nach einer langen Auswahlphase endlich die Zusage bekommen! Ich arbeite in Yad Vashem, dem World Holocaust Memorial Center in Jerusalem. Außerdem gibt es eine Kooperation mit Amcha ("deine Leute", das code word der Juden nach dem 2. Weltkrieg), der größten Organisation für psychologische und soziale Unterstützung für Überlebende des Holocaust in Israel. Für diese Organsation besuche ich drei Damen die während des Krieges in Deutschland gelebt haben.

Freitag, 20. Mai 2016

Pate werden - warum eigentlich?!

Was für eine Organisation ist ASF?

Für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste bedeutet die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit die Aufforderung zum konkreten Handeln in der Gegenwart. Die Organisation setzt mit ihrer Arbeit ein Zeichen für Menschlichkeit, Verständigung und Frieden.


Wie arbeitet ASF?

ASF entsendet Freiwillige in elf Länder Europas, nach Israel und in die USA. Aktuell sind auch Freiwillige aus dem Ausland in Projekten in Hamburg und Berlin. Die Freiwilligen arbeitet in Projekten die sich gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und für Menschenrechte engagieren. Die persönlichen Kontakte zwischen Freiwilligen und Überlebenden der Shoa sind essentieller Bestandteil der Freiwilligenarbeit. Finanziert wird diese Arbeit durch Mittel der EU und Deutschland, Zuwendungen und das Patenschaftsmodell.



Warum Israel und dieses Projekt?

Israel ist ein Land voller Kontroversen und Spannungen. Trotzdem ist die Vielfalt für mich unvergleichlich bereichernd und spannend. Ich freue mich auf interessante Einblicke in die unterschiedlichen Kulturen, Aha-Momente und ein besseres Verständnis.
Das Projekt in Vad Vashem ist so eng mit den Geschehnissen des zweiten Weltkrieges und der Shoa verknüpft. So nah an den Geschichten der Menschen zu sein finde ich spannend und wichtig zugleich. Die Arbeit im Archiv trägt dazu bei, der internationalen Forschung neue Daten zur Verfügung zu stellen. So haben sich schon viele Kreise geschlossen, viele Menschen haben sich wieder gefunden, was ohne diese Datenbank nicht möglich gewesen wäre.  Im Museum selbst werden jeden Tag viele interessierte Menschen sein und jeder hat eine Geschichte, die es Wert ist gehört zu werden.
 

     
Warum ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit noch immer wichtig?

Für mich als jungen Menschen ist der Krieg sehr weit weg. Es ist schwierig sich tatsächlich einzufühlen und zu verstehen was passiert ist. Die Auseinandersetzung mit Geschichte ist immer wichtig und wir sollten versuchen etwas daraus zu lernen.
Ich selbst bin nicht betroffen doch es gibt Menschen, die noch immer unter den Folgen des Krieges leiden. Diese Bürde sollen sie nicht alleine tragen müssen.



Warum gibt es das Patenschaftsmodell und wie funktioniert es?

Das Patenschaftsmodell hat zwei wichtige Ziele:
Eine Ziel ist, allen jungen Menschen die Möglichkeit zu eröffnen ein Freiwilligenjahr zu absolvieren. Durch das Patenschaftsmodell werden die Freiwilligen nicht zu stark finanziell belastet.
Der zweite Grund ist, dass durch dieses Modell der Freiwilligendienst mit ASF bekannt wird. So bekommen viele  Menschen einen Einblick in die Arbeit der Organisation und in eine andere Welt. Außerdem bietet die wachesende Bekanntheit anderen jungen Menschen die Möglichkeit für einen Freiwilligendienst.
Jeder Freiwillige sucht mindestens 15 Paten, die pro Monat je 15 € spenden. Von ASF wird als Dankeschön die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „zeichen“ an die Paten versandt. Die Freiwilligen verschicken je zwei Rundbriefe, in denen sie von ihrer Arbeit im jeweiligen Projekt und den Erlebnisse vor Ort berichten. Zusätzlich werde ich regelmäßig in diesem Blog berichten wie es mir geht und was ich erlebe. Die Patenschaften sind essentiell für das Fortbestehen der Freiwilligenarbeit.
Sie können mit der entsprechenden Bescheinigung von jedem Paten steuerlich abgesetzt werden.    



Kosten und Kostenträger

Ein Freiwilligendienst kostet im Durchschnitt 15.000€. Darin enthalten sind Kosten für Unterbringung und Verpflegung. Außerdem die Kosten, die dem Projektträger und der Organisation im jeweiligen Land entstehen.
Ein Großteil der Kosten kann durch EU Gelder, Gelder vom Staat und durch Spenden finanziert werden. Die Patenschaften decken gemeinsam mit dem Beitrag, den jede/r Freiwillige selbst leistet 23% der entstehenden Kosten.